Worum geht’s
„Ich habe kein Internet” ist eines der häufigsten Tickets — und eines der lehrreichsten. Dahinter kann fast alles stecken: kein Netzwerklink, falsche IP, fehlendes Gateway, eine kaputte Namensauflösung. First-Level braucht eine feste Diagnosekette, um die Ursache Schicht für Schicht einzugrenzen, statt wahllos zu raten.
Konzept
Drei Bausteine muss jedes Gerät haben, um „ins Internet” zu kommen:
- IP-Adresse + Maske — die Adresse im lokalen Netz (z. B.
192.168.10.42/24). Eine Adresse aus169.254.x.x(APIPA) bedeutet: kein DHCP erreicht → meist Link- oder DHCP-Problem. - Default-Gateway — der Router, der Pakete aus dem lokalen Netz nach außen leitet. Ohne Gateway erreichst du nur lokale Hosts.
- DNS — übersetzt Namen (
www.example.com) in IP-Adressen. Ist DNS kaputt, funktionieren IPs noch, aber Namen nicht („Seite lädt nicht, aber Ping auf 8.8.8.8 geht”).
Die Maske bestimmt, was „lokal” ist — wie viele Bits das Netz festlegen, zeigt der Slider:
- Netzbits
- —
- Hostbits
- —
- Subnetzmaske
- —
- Hosts (gesamt)
- —
- Nutzbare Hosts
- —
Die Diagnosekette arbeitet von unten nach oben:
Link → IP → Gateway → DNS → Zielhost. Werkzeuge je Stufe: ipconfig/ip a (IP),
ping aufs Gateway, ping auf eine externe IP, nslookup/DNS-Test, schließlich
HTTP-Erreichbarkeit. So sieht eine DNS-Auflösung Schritt für Schritt aus:
www.example.com Beispiel-Fall
Symptom: Ein Nutzer kann keine Website öffnen. „Internet ist weg.”
- IP prüfen (
ipconfig):169.254.12.7— das ist APIPA, also kein DHCP. Schon hier wäre Schluss. Nehmen wir an, die IP ist korrekt (192.168.10.42). - Gateway pingen (
192.168.10.1): antwortet → lokales Netz und Router ok. - Externe IP pingen (
1.1.1.1): antwortet → Routing nach außen funktioniert. - Namen auflösen (
nslookup www.example.com): schlägt fehl → DNS ist die Ursache. - Maßnahme: DNS-Server prüfen/korrigieren (richtiger Resolver konfiguriert?), Test-Auflösung wiederholen.
Befund: Konnektivität ok, DNS defekt — „kein Internet” war in Wahrheit „keine Namensauflösung”. Genau diese Trennung spart enorm Zeit.
Anwenden
Der Ping-Checker prüft Erreichbarkeit und Ports — die obere Hälfte deiner Diagnosekette.
- Prüfe die HTTP-Erreichbarkeit eines bekannten Hosts (z. B. example.com).
- Teste einen TCP-Port (z. B. 443) — antwortet der Dienst?
- Vergleiche: Host per IP erreichbar, per Name aber nicht? Dann ist DNS der Verdächtige.
Das DNS-Lookup-Tool trennt „Name nicht auflösbar” von „Host nicht erreichbar”.
- Löse einen bekannten Domainnamen auf (A/AAAA-Record).
- Bekommst du eine IP zurück? Dann funktioniert die Namensauflösung.
- Vergleiche mit dem, was der Client lokal auflöst.
Selbsttest
Praxis-Challenge
Ein Nutzer meldet „Internet weg”. Arbeite die Diagnosekette ab: prüfe mit dem Ping-Checker die Erreichbarkeit eines externen Hosts und eines Ports, und mit dem DNS-Lookup die Namensauflösung. Bestimme anhand der Ergebnisse, auf welcher Stufe (IP / Gateway / Routing / DNS) das Problem säße — und welche eine Frage du dem Nutzer zur Bestätigung stellst.