Worum geht’s
Der Disk-Benchmark misst, wie schnell ein Datenträger Daten schreibt und liest — und zwar in verschiedenen Blockgrößen (4 KB, 64 KB, 1 MB). Genau hier liegt die Kunst des Deutens: Kleine und große Blöcke messen unterschiedliche Stärken. Wer das verwechselt, zieht falsche Schlüsse. Dieses Modul übt, die Werte je Blockgröße richtig einzuordnen.
Konzept
Zwei Kennzahlen, die zusammengehören:
- Durchsatz (MB/s): „Wie viel Datenmenge pro Sekunde.” Relevant bei großen Blöcken (1 MB) — etwa große Dateien kopieren, Videos schreiben. Größer ist besser.
- IOPS (I/O-Operationen pro Sekunde): „Wie viele einzelne Zugriffe pro Sekunde.” Relevant bei kleinen Blöcken (4 KB) — etwa viele kleine Dateien, Datenbanken, OS-Start. Größer ist besser.
Der Zusammenhang: MB/s = IOPS × Blockgröße. Bei 4 KB liefern selbst hohe IOPS nur wenig MB/s; bei 1 MB ergeben schon wenige Operationen viel MB/s. Deshalb:
- Große Blöcke → an MB/s orientieren (sequenzieller Durchsatz).
- Kleine Blöcke → an IOPS orientieren (Random-Zugriff).
Typisches Muster: Eine SSD glänzt vor allem bei den 4-KB-IOPS (viele Zugriffe), eine HDD fällt dort stark ab, kommt aber bei großen sequenziellen Blöcken näher heran. Genau deshalb fühlt sich ein PC mit SSD „schnell” an, obwohl die MB/s-Zahl bei 1 MB gar nicht so weit auseinanderliegt.
Die Blockgröße bestimmt den Durchsatz — klein = IOPS-gebunden:
Beispiel-Fall
Gegeben: Zwei Datenträger im Benchmark:
| Blockgröße | Datenträger X | Datenträger Y |
|---|---|---|
| 4 KB | 90 MB/s | 6 MB/s |
| 1 MB | 520 MB/s | 160 MB/s |
- 4-KB-Zeile deuten (Random/IOPS): X liefert 90 MB/s bei 4 KB, Y nur 6 MB/s — ein 15-facher Unterschied. Das ist das typische Bild SSD (X) vs. HDD (Y).
- 1-MB-Zeile deuten (sequenziell): X (520) vor Y (160) — ~3×, deutlich enger.
- Schluss: Für „viele kleine Zugriffe” (OS, Datenbank) ist X dramatisch besser; bei großen sequenziellen Kopien schrumpft der Vorsprung. Wer eine Datenbank betreibt, schaut auf die 4-KB-Werte, nicht auf die 1-MB-MB/s.
So liest man einen Disk-Benchmark: erst die passende Blockgröße zur Aufgabe wählen, dann die richtige Kennzahl (MB/s vs. IOPS) heranziehen.
Anwenden
Der Disk-Benchmark misst mehrere Blockgrößen — deute kleine Blöcke über IOPS/Random, große über sequenziellen MB/s-Durchsatz.
- Starte den Benchmark und lies die Werte für 4 KB, 64 KB und 1 MB getrennt ab.
- Vergleiche die kleine (4 KB) mit der großen (1 MB) Blockgröße — wo ist der Unterschied am größten?
- Ordne zu: Für viele kleine Zugriffe zählt die 4-KB-Leistung, für große Dateien die 1-MB-Rate.
Selbsttest
Praxis-Challenge
Führe den Benchmark aus und trage für 4 KB, 64 KB und 1 MB jeweils die Lese-MB/s in eine kleine Tabelle ein. Erkläre, warum die MB/s mit größerer Blockgröße steigen, obwohl es derselbe Datenträger ist — und entscheide, auf welche Zeile du für „Datenbank” und für „großes Backup kopieren” jeweils schaust.