Worum geht’s
IHK-Lernfeld 5 verlangt von Auszubildenden, einfache Abläufe zu automatisieren und Daten mit Skripten zu verarbeiten. Du musst (noch) kein:e Programmierer:in sein — aber du solltest Grundbausteine der Logik verstehen, einfache reguläre Ausdrücke lesen und schreiben können und wissen, wie man eine wiederkehrende Aufgabe zeitgesteuert laufen lässt. Genau das spart im IT-Alltag täglich Zeit: Logs filtern, Dateien umbenennen, Backups planen. Dieses Modul ist der sanfte Einstieg — die Vertiefung kommt später in D6.
Konzept
Programmierlogik — drei Grundbausteine. Fast jedes Skript besteht aus:
- Sequenz: Anweisungen laufen nacheinander ab.
- Bedingung (
if/else): „Wenn X, dann tu Y, sonst Z.” - Schleife (
for/while): wiederhole etwas, bis eine Bedingung erfüllt ist.
Dazu kommen Variablen (benannte Speicher) und Vergleiche (==, <, >).
Mehr braucht es für einfache Automatisierung selten.
Reguläre Ausdrücke (Regex) — Muster für Text. Ein Regex beschreibt, wie Text aussieht, nicht was genau drinsteht. Wichtige Bausteine:
.ein beliebiges Zeichen ·\deine Ziffer ·\wWort-Zeichen ·\sLeerraum+ein oder mehr ·*null oder mehr ·?null oder eins[abc]eine Auswahl ·^Anfang ·$Ende ·( )Gruppe
Beispiel: \d{3}-\d{4} passt auf „123-4567”. Regex steckt in fast jedem Log-Filter und
jeder Suche-und-Ersetze-Operation.
Zeitsteuerung mit Cron. Wiederkehrende Aufgaben startet man unter Linux per Cron.
Ein Cron-Ausdruck hat fünf Felder: Minute Stunde Tag Monat Wochentag. 0 9 * * 1-5
bedeutet „werktags um 09:00”.
Sicherheitshinweis: Automatisierte Skripte laufen oft mit erhöhten Rechten. Teste sie zuerst gefahrlos (z. B. nur ausgeben statt löschen), bevor du sie scharf schaltest — ein fehlerhafter Cron-Job kann sehr fleißig Schaden anrichten.
Beispiel-Fall
Gegeben: Aus einem Logfile sollst du alle Zeilen herausfiltern, die eine IPv4-Adresse enthalten, und das Ganze soll künftig jeden Morgen automatisch laufen.
- Muster überlegen: Eine IPv4 sind vier Zahlengruppen mit Punkten. Ein einfaches
(nicht perfektes) Muster:
\d{1,3}\.\d{1,3}\.\d{1,3}\.\d{1,3}. - Im Regex-Tester prüfen: Du fügst Beispielzeilen ein und kontrollierst, dass nur die IP-Zeilen markiert werden — und keine harmlose Zahl wie „12.5” fälschlich matcht.
- In ein Skript gießen (Pseudocode):
für jede Zeile: wenn Zeile passt auf Muster → in Ausgabedatei schreiben. Das ist Sequenz + Bedingung + Schleife in Reinform. - Zeitsteuern: Ein Cron-Eintrag
0 7 * * *startet das Skript täglich um 07:00. - Absichern: Erst im Trockenlauf prüfen (nur zählen, nicht überschreiben), dann scharf.
So wird aus „mach das mal jeden Tag” ein nachvollziehbarer, getesteter und geplanter Automatismus — die Kernkompetenz aus LF5.
Anwenden
Regex versteht man durch Ausprobieren: kleine Änderung, sofort sehen, was sich am Treffer ändert. Für die Zeitplanung hilft /tools/cron-builder.
- Füge ein paar Beispiel-Logzeilen ein, von denen einige eine IP enthalten.
- Gib das Muster \d{1,3}\.\d{1,3}\.\d{1,3}\.\d{1,3} ein und sieh die Treffer.
- Variiere das Muster: Was passiert mit \d+ statt \d{1,3}? Wird zu viel markiert?
- Teste bewusst eine Zeile ohne IP — sie darf nicht matchen.
Selbsttest
Praxis-Challenge
Nimm dir eine reale, kleine Wiederholaufgabe vor (z. B. „alle E-Mail-Adressen aus einem Text ziehen”). Entwirf zuerst das Regex-Muster und verifiziere es im Regex-Tester an echten und an absichtlich falschen Beispielzeilen. Beschreibe dann in Pseudocode die drei Logikbausteine (Sequenz, Schleife, Bedingung), die das Skript bräuchte. Lege zuletzt mit dem Cron-Builder einen Zeitplan fest, der die Aufgabe werktags morgens ausführt — und notiere, wie du den ersten Lauf gefahrlos testen würdest.